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Behandlung bei LKG-Spalte

Kieferspaltosteoplastik

Sekundäre Knochentransplantation in den Kieferspalt – Ziele, Zeitpunkt, Technik und Nachsorge.

Kurzantwort

Die sekundäre Kieferspaltosteoplastik (auch: Alveolarspaltosteoplastik) ist eine Operation, bei der Knochen – meist aus dem Beckenkamm – in den Kieferspalt transplantiert wird. Sie wird idealerweise im Alter von 9–11 Jahren durchgeführt, bevor der Eckzahn durch den Kieferspalt durchzubrechen versucht. Ziele sind der Knochen für den Eckzahndurchbruch, die Stabilisierung der Nasenregion und die Herstellung der Oberkieferkontinuität.

Ziele und Zeitpunkt der Operation

Bei Kindern mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte fehlt im Oberkieferknochen ein Spalt im Bereich des Zahnbogens. Ohne Knochen kann der Eckzahn (Zahn 3) nicht regelrecht durchbrechen, der Gaumen ist instabil, und die Nasenspitze hat keinen knöchernen Halt.

Idealer Zeitpunkt

Für die sekundäre Kieferspaltosteoplastik gilt als Richtwert ein Zahndurchbruchsstadium des Eckzahns von ½ bis ¾ Wurzelentwicklung – dies entspricht bei den meisten Kindern dem Alter von 9–11 Jahren. Dieser Moment wird kieferorthopädisch und röntgenologisch überwacht.[1]

  • Zu früh (vor ½ Wurzelentwicklung): schlechtere Integration, mögliche Wachstumsstörungen
  • Zu spät (nach vollständigem Durchbruch ohne Knochen): Eckzahn fehlt knöcherner Support, deutlich schlechtere Prognose
Sekundär vs. primär Die primäre Kieferspaltosteoplastik (Säuglingsalter, heute selten) wurde weitgehend durch die sekundäre abgelöst, da sie weniger negative Auswirkungen auf das Kieferwachstum hat. Die hier beschriebene sekundäre Form ist heute der Standard.

Wie wird der Eingriff durchgeführt?

Vorbereitung
Kieferorthopädische Vorbereitung (3–6 Monate vor OP): Erweiterung des Oberkiefers (ggf. Gaumennahterweiterungsapparat) für optimale Platzverhältnisse; Mundhygienekontrolle.
Knochenentnahme
Beckenkammentnahme (Crista iliaca). Entnahme von spongiösem Knochen aus dem vorderen Beckenkamm in Vollnarkose. Alternativ: Calvaria (Schädelknochen), Rippenknorpel, synthetische Knochenersatzmaterialien.
Transplantation
Einbringen in den Kieferspalt. Periostlappen und Schleimhaut werden mobilisiert, der Knochen eingebracht und die Wunde spannungsfrei verschlossen. Eingriff dauert ca. 1,5–3 Stunden.
Stationär
1–3 Tage Spitalaufenthalt. Schmerztherapie, Mundspülungen, weiche/flüssige Kost für 4–6 Wochen. Gehstrecken anfangs begrenzt (Hüftschmerz der Entnahmestelle).
Nachsorge
Kieferorthopädie führt den Eckzahn durch den transplantierten Knochen. Röntgenkontrolle nach 3–6 Monaten zur Beurteilung der Knochenintegration.

Was ist gesichert, was ist im Fluss?

Was international weitgehend anerkannt ist: Die sekundäre Kieferspaltosteoplastik mit autologem Beckenkammspan im Alter des Eckzahndurchbruchs (ca. 9–11 Jahre) ist international etablierte Praxis.
Wo Behandlungskonzepte zwischen Zentren variieren: Die Entnahmestelle des Knochens, das genaue OP-Alter je nach individueller Zahnentwicklung sowie die Nachsorgeprotokolle unterscheiden sich zwischen Zentren.
Was wissenschaftlich noch offen ist: Der Stellenwert alternativer Knochenersatzmaterialien gegenüber autologem Beckenkamm wird wissenschaftlich weiterhin untersucht.

Was zeigt die Literatur?

Die sekundäre Alveolarspaltosteoplastik mit Beckenkammspan gilt als gut etabliertes Verfahren mit hohen Erfolgsraten, wenn der Zeitpunkt optimal gewählt wird:[2]

  • Knochenbrückenbildung in ca. 70–90 % der Fälle (Literaturrange je nach Studie und Zentrum)
  • Eckzahndurchbruch durch den transplantierten Knochen gelingt in den meisten Fällen mit kieferorthopädischer Unterstützung
  • Schlechtere Ergebnisse bei: ungünstigem Timing, grossen Defekten, insuffizienter kieferorthopädischer Vorbereitung, mangelnder Mundhygiene[3]
Alternativen zu Beckenkammknochen Synthetische Knochenersatzmaterialien und Wachstumsfaktoren (z.B. BMP-2, rhBMP-2) werden in Studien evaluiert. Eine eindeutige Überlegenheit gegenüber dem Beckenkammspan konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Die Wahl des Materials hängt von Zentrumserfahrung, Spaltgrösse und Patientenalter ab.
  1. Bergland O et al. (1986). Elimination of the residual alveolar cleft by secondary bone grafting. Cleft Palate J, 23(3):175–205. PMID: 3524905
  2. Rawashdeh MA, Telfah H (2008). Secondary alveolar bone grafting: the dilemma of donor site selection. Br J Oral Maxillofac Surg, 46(8):665–70. DOI
  3. Enemark H et al. (2001). Secondary bone grafting in unilateral cleft lip and palate patients. Int J Oral Maxillofac Surg, 30(6):472–8. DOI
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