Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
Ihr Kind kann satt werden und normal gedeihen — mit den richtigen Hilfsmitteln und etwas Übung.
Kinder mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte können schlucken — ihr Schluckreflex ist intakt. Was fehlt, ist der Unterdruck im Mund, der beim normalen Saugen entsteht. Mit Spezialflaschen kann dieses Problem vollständig überbrückt werden.
Bei einer vollständigen Gaumenspalte verbindet eine Öffnung Mund- und Nasenhöhle. Dadurch kann beim Saugen kein geschlossener Raum entstehen — der für normale Flaschen und Stillen nötige Unterdruck fehlt. Das Kind strengt sich an, nimmt aber nicht genug Milch auf und ermüdet schnell.
Die Lösung: Spezialflaschen mit Ventilsystem oder weichem Sauger, die die Milch aktiv zuführen oder mit sehr geringem Druck fliessen lassen.
Nicht jedes Kind mit einer Spaltbildung braucht eine Gaumenplatte. Die Entscheidung trifft das kieferorthopädische Team im Spezialzentrum – idealer Weise noch in den ersten Lebenstagen.
Gaumenplatte notwendig bei: vollständigen Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und isolierten Gaumenspalten, wenn das Kind kein ausreichendes Vakuum aufbauen kann. Die Platte wird dann in den ersten Lebenstagen im Geburtsspital eingesetzt.
Keine Gaumenplatte nötig bei: isolierter Lippenspalte oder Lippen-Kieferspalte (ohne Gaumenbeteiligung). Diese Kinder können die Mundhöhle noch ausreichend abschliessen und trinken in der Regel gut – mit oder ohne Spezialflasche. Eine kieferorthopädische Kontrolle ist trotzdem empfehlenswert.
Die Gaumenplatte ist kein passives Hilfsmittel: Sie wird gezielt alle 4–6 Wochen auf der Innenseite (nasale Seite) beschliffen. Durch diesen kontrollierten Druck verengt sich die Spalte über die ersten Lebensmonate spontan erheblich – was die spätere Operation erleichtert. Die Platte wird maximal bis zum Verschluss des weichen Gaumens getragen.
Bei Pierre-Robin-Sequenz oder zusätzlichen Problemen dauert die Adaptation an die Platte länger. In diesen Fällen ist eine engmaschigere Begleitung durch das Spezialistenteam nötig.
Es gibt drei bewährte Systeme. Welches am besten passt, hängt von der Spaltform und dem Kind ab. Beim Ersttermin im spezialisierten Zentrum werden alle drei gezeigt und individuell angepasst.
Auch bekannt als Haberman Feeder. Ein Ventil im Sauger gibt Milch durch leichten Kau- und Zungendruck frei — kein Unterdruck nötig. Funktioniert bei allen Spaltformen, auch schweren. Erhältlich in Apotheken und Medela-Shops.
Schräg geschnittener Sauger mit einer weichen und einer harten Seite. Die weiche Seite liegt auf dem Spalt. Milch fliesst durch leichten Druck von aussen auf die Flasche. Gut geeignet bei isolierter Lippenspalte oder kleineren Spalten.
Speziell geformter weicher Sauger für gängige Flaschen. Einfach zu beschaffen. Für leichtere Spaltformen oder als Ergänzung nach dem Lippenverschluss, wenn das Kind beginnt, selbst Sog aufzubauen.
Kind möglichst aufrecht halten (45–90°) — so läuft weniger Milch in die Nase. Trinksitzung nicht länger als 30–40 Minuten (danach erschöpft das Kind mehr Kalorien als es aufnimmt). Regelmässige Pausen zum Aufstossen einplanen.
Bei vollständiger Gaumenspalte ist direktes Stillen in der Regel nicht möglich, da das Kind keinen Sog aufbauen kann. Bei einer isolierten Lippenspalte ohne Gaumenbeteiligung gelingt es manchmal — besonders mit angepasster Position (Kind aufrecht, Brust von oben fixieren).
Muttermilch kann abgepumpt und über die Spezialflasche gegeben werden. Empfohlen wird regelmässiges Abpumpen (8–10 Mal täglich in den ersten Wochen), um die Milchproduktion aufrechtzuerhalten. Eine Laktationsberaterin unterstützt dabei — das spezialisierte Zentrum koordiniert die Überweisung.
Eine gute Gewichtszunahme ist das wichtigste Ziel vor dem Lippenverschluss (in der Regel mit ~3–4 Monaten). Das Kind muss fit für die Narkose sein.
| Phase | Ziel | Bewertung |
|---|---|---|
| 1.–2. Lebenswoche | Geburtsgewicht wieder erreichen | normal |
| Ab 3. Woche | ≥ 150–200 g pro Woche | gut |
| Vor Lippenverschluss | Zielgewicht ~5 kg, guter AZ | operationsbereit |
| Warnsignal | < 100 g/Woche über 2 Wochen | Spezialzentrum kontaktieren |
Wenn das Kind weniger als 100 g pro Woche zunimmt, länger als 40 Minuten pro Mahlzeit braucht, beim Trinken zyanotisch wird oder Milch durch die Nase läuft — bitte das behandelnde Spezialzentrum oder die Kinderärztin / den Kinderarzt direkt kontaktieren.
In den ersten Wochen nach dem Gaumenverschluss sind ausschliesslich weiche oder pürierte Speisen erlaubt. Harte, spitze oder krümelige Nahrung sowie Gegenstände im Mund (Schnuller, Strohhalme, Besteck zum Selbstfüttern) müssen vermieden werden, um die Operationsnaht nicht zu gefährden. Das behandelnde Spezialzentrum gibt dazu genaue, individuell abgestimmte schriftliche Anweisungen mit.
Im ersten Termin an einem spezialisierten kraniofazialen Zentrum ist die Ernährungsberatung immer Teil des Gesprächs. Alle drei Flaschentypen können ausprobiert werden — die Empfehlung richtet sich nach Spaltform und Saugverhalten des Kindes.
Wir helfen gerne — auch telefonisch oder per E-Mail.
Bei einer Gaumenspalte kann im Mund kein ausreichender Unterdruck aufgebaut werden, der zum Saugen nötig ist. Spezielle Sauger und Flaschen sowie eine angeleitete Fütterungstechnik helfen in der Regel, die Ernährung sicherzustellen. Eine individuelle Beratung durch das Behandlungsteam wird empfohlen.
Das ist unterschiedlich. Bei isolierter Lippenspalte gelingt Stillen oft, bei Gaumenbeteiligung ist es häufig erschwert. Viele Familien kombinieren abgepumpte Muttermilch mit speziellen Flaschen. Eine Still- und Ernährungsberatung kann individuell unterstützen.
Anhaltspunkte sind Gewichtsentwicklung, nasse Windeln und das Trinkverhalten. Bei Sorgen sollte frühzeitig das Behandlungsteam einbezogen werden; die Gewichtskontrolle erfolgt in der Regel engmaschig.