Medizinische Information

Lippen-Kiefer-Gaumenspalten
und kraniofaziale
Fehlbildungen

Evidenzbasierte Informationen für Betroffene, Familien und Fachpersonen.

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Zahlen zur Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

1 : 500–700Neugeborene mit LKG-Spalte – je nach Region und Definition[1]
+20Beteiligte Fachgebiete
Sehr gutbehandelbar – durch frühzeitige interdisziplinäre Betreuung
~100–120Neugeborene mit LKG-Spalte jährlich in der Schweiz[18]

Spaltbildungen

Lippen-Kiefer-
Gaumenspalten

Von der pränatalen Diagnose bis zum Erwachsenenalter — Schritt für Schritt.

Schädelfehlbildungen

Kraniofaziale
Fehlbildungen

Orientierung bei Verdacht, Diagnose und Behandlung von Schädelformstörungen.

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Was ist eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte?

Die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKG-Spalte) ist eine der häufigsten angeborenen Fehlbildungen des Gesichts. Sie entsteht, wenn sich Lippe, Kiefer und/oder Gaumen in der Embryonalentwicklung nicht vollständig vereinigen.

Mit heutigen medizinischen Möglichkeiten lassen sich diese Fehlbildungen sehr gut behandeln. Eine frühzeitige, interdisziplinäre Betreuung ist entscheidend für ein optimales Ergebnis.

Interdisziplinär

Die Behandlung erfordert die Zusammenarbeit von Kieferchirurgen, Kieferorthopäden, HNO-Ärzten, Logopäden, Psychologen und weiteren Spezialisten.

Früherkennung

Lippen- und LKG-Spalten können häufig bereits im pränatalen Ultraschall erkannt werden. Isolierte Gaumenspalten bleiben vor der Geburt oft unentdeckt – deshalb ist die Diagnose unmittelbar nach der Geburt besonders wichtig.

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte – ausführliche Informationen →

Behandlungskonzepte & Qualität

Die LKG-Behandlung folgt keinem einheitlichen Protokoll. Verschiedene, wissenschaftlich fundierte Konzepte bestehen nebeneinander – die individuelle Anpassung an Spaltform, Anatomie und Patientensituation ist entscheidend.

Lippenverschluss-Techniken (Fisher, Millard), Timing des Gaumenverschlusses, internationale Protokolle (Zürich, Göteborg, Oslo), Kieferspaltosteoplastik und Qualitätsmessung nach ICHOM – ausführlich auf einer eigenen Seite.

Kraniofaziale Fehlbildungen & Syndrome

Kraniofaziale Fehlbildungen umfassen ein breites Spektrum von Veränderungen des Schädels und Gesichts – von der häufigen lagebedingten Plagiozephalie bis zu komplexen syndromalen Kraniosynostosen. Die Behandlung erfordert ein hochspezialisiertes, interdisziplinäres Team und eine sorgfältige, individuelle Therapieplanung.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Antworten auf die häufigsten Fragen rund um Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und kraniofaziale Fehlbildungen – gebündelt auf unserer FAQ-Seite.

Alle 26 Fragen ansehen →

Spezialisierte Zentren & Fachgesellschaften

In der Schweiz wird die Versorgung von Patienten mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalten und kraniofazialen Fehlbildungen durch spezialisierte, interdisziplinäre Teams an Universitätsspitälern gewährleistet. Europaweit sind führende Zentren im Europäischen Referenznetzwerk ERN CRANIO (Europäisches Referenznetzwerk) zusammengeschlossen.

Schweiz – Universitäre Spezialzentren

Die nachfolgenden Universitätsspitäler verfügen über spezialisierte, interdisziplinäre Teams für die Behandlung kraniofazialer Fehlbildungen:

Zürich
Kraniofaziales Zentrum Zürich
Universitätsspital Zürich (USZ) / Kinderspital Zürich
Basel
Spaltzentrum Basel
Universitätsspital Basel (USB) / Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB)
Bern
Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Inselspital, Universitätsspital Bern
Lausanne
Service de chirurgie maxillo-faciale et stomatologie
Centre hospitalier universitaire vaudois (CHUV)
Genf
Service de chirurgie maxillo-faciale
Hôpitaux universitaires de Genève (HUG)

Europa – ERN CRANIO

Das Europäische Referenznetzwerk für seltene kraniofaziale Anomalien und HNO-Erkrankungen (ERN CRANIO) vernetzt spezialisierte Zentren aus 16 europäischen Nationen nach einheitlichen Qualitätsstandards. Eine aktuelle Übersicht aller zertifizierten Zentren finden Sie unter ern-cranio.eu.

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ACPA – International

Die American Cleft Palate-Craniofacial Association (ACPA) ist die führende internationale Fachgesellschaft für interdisziplinäre Spaltbehandlung – mit über 2'200 Mitgliedern aus mehr als 60 Ländern, seit 1943. Sie publiziert den Cleft Palate Craniofacial Journal und setzt internationale Standards für Teambehandlung und Forschung.

acpacares.org →

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ICHOM Standard Set

Zentren, die nach dem ICHOM Standard Set für LKG-Spalten arbeiten, messen Behandlungsergebnisse systematisch an sieben definierten Zeitpunkten. Diese Qualitätstransparenz ist ein wichtiges Kriterium bei der Wahl eines Spaltzentrums.

ichom.org →

Fragen & Kontakt

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Quellen & Literatur

Die nachfolgenden Publikationen bilden die wissenschaftliche Grundlage dieser Website. Ein Klick auf eine Quellenangabe im Text führt zur markierten Quelle – mit dem Pfeil-Button gelangen Sie zurück zur Textstelle.

Leitlinien & Qualitätsstandards

  1. Allori AC, Kelley T, Meara JG, et al. A standard set of outcome measures for the comprehensive appraisal of cleft care. Cleft Palate Craniofac J. 2017;54(5):540–554.
    DOI: 10.1597/15-292

Systematische Reviews & Übersichtsarbeiten

  1. Mossey PA, Little J, Munger RG, Dixon MJ, Shaw WC. Cleft lip and palate. Lancet. 2009;374(9703):1773–1785.
    DOI: 10.1016/S0140-6736(09)60695-4
  2. Dixon MJ, Marazita ML, Beaty TH, Murray JC. Cleft lip and palate: understanding genetic and environmental influences. Nat Rev Genet. 2011;12(3):167–178.
    DOI: 10.1038/nrg2933
  3. Rohrich RJ, Love EJ, Byrd HS, Johns DF. Optimal timing of cleft palate closure. Plast Reconstr Surg. 2000;106(2):413–421.
    DOI: 10.1097/00006534-200008000-00027 · PMID: 10946935
  4. Johnson D, Wilkie AOM. Craniosynostosis. Eur J Hum Genet. 2011;19(4):369–376.
    DOI: 10.1038/ejhg.2010.235
  5. Obwegeser JA. Maxillary and midface deformities: characteristics and treatment strategies. Clin Plast Surg. 2007 Jul;34(3):519–533.
    DOI: 10.1016/j.cps.2007.05.001 · PMID: 17692708
  6. Fell M, Phippen G, van Eeden S, et al. Analysis and Reporting of Randomized Trials in Cleft Palate Surgery: Learning from the Timing of Primary Surgery (TOPS) Trial. Cleft Palate Craniofac J. 2025;62(8):1436–1442. DOI: 10.1177/10556656241253949 · PMID: 38725271 — Basiert auf dem TOPS-Trial: Gamble C, Persson C, Willadsen E, et al. Timing of Primary Surgery for Cleft Palate. N Engl J Med. 2023;389(9):795–807.
  7. Inchingolo AD, et al. Evaluation of Surgical Protocols for Speech Improvement in Children with Cleft Palate: A Systematic Review and Case Series. Bioengineering. 2025;12(8):877. DOI: 10.3390/bioengineering12080877 · PMID: 40868390 (Open Access)

Originalarbeiten & klinische Studien

  1. Wilcox AJ, Lie RT, Solvoll K, et al. Folic acid supplements and risk of facial clefts: national population based case-control study. BMJ. 2007;334(7591):464.
    DOI: 10.1136/bmj.39079.618287.0B · PMID: 17259186
  2. Fisher DM. Unilateral cleft lip repair: an anatomical subunit approximation technique. Plast Reconstr Surg. 2005;116(1):61–71.
    DOI: 10.1097/01.prs.0000169689.09479.f7
  3. Bergland O, Semb G, Abyholm FE. Elimination of the residual alveolar cleft by secondary bone grafting and subsequent orthodontic treatment. Cleft Palate J. 1986;23(3):175–205.
    PubMed: 3524418
  4. Abyholm FE, Bergland O, Semb G. Secondary bone grafting of alveolar clefts. Scand J Plast Reconstr Surg. 1981;15(2):127–140.
    DOI: 10.3109/02844318109103405 · PMID: 7031462
  5. Wilkie AOM, Slaney SF, Oldridge M, et al. Apert syndrome results from localized mutations of FGFR2 and is allelic with Crouzon syndrome. Nat Genet. 1995;9(2):165–172.
    DOI: 10.1038/ng0295-165
  6. Engel M, Berger M, Hoffmann J, et al. Midface correction in patients with Crouzon syndrome: is Le Fort III distraction osteogenesis with a rigid external distraction device the gold standard? J Craniomaxillofac Surg. 2019;47(3):420–430.
    DOI: 10.1016/j.jcms.2018.11.028 · PMID: 30642732
  7. Meling TR, Due-Tønnessen BJ, Hogevold HE, Skjelbred P, Roald B. Monobloc distraction osteogenesis in pediatric patients with severe syndromal craniosynostosis. J Craniofac Surg. 2011;22(1):101–109.
    DOI: 10.1097/SCS.0b013e3181f6c620
  8. Kreutz K, Fitze G, Blecher R, et al. Helmet therapy in deformational skull base plagiocephaly also corrects facial asymmetry and ear shift. J Craniomaxillofac Surg. 2018;46(3):354–359.
    DOI: 10.1016/j.jcms.2017.12.011
  9. Meyer-Marcotty P, Böhm H, Linz C, Blecher R, et al. Spectrum of positional deformities – is there a real difference between plagiocephaly and brachycephaly? J Craniomaxillofac Surg. 2014;42(6):1010–1016.
    DOI: 10.1016/j.jcms.2014.01.026 · PMID: 24530071
  10. Ferrari R, Özcan M, Wiedemeier D, Essig H. Accuracy of intraoral scanners in the cleft anatomy of neonates. Int J Comput Dent. 2025 Sep 1;28(3):225–234.
    DOI: 10.3290/j.ijcd.b5886430 · PMID: 39871769
  11. Bezuhly M, Fisher DM. Single-stage repair of asymmetrical bilateral cleft lip with contralateral lesser form defects. Plast Reconstr Surg. 2012;129(3):751–757.
    DOI: 10.1097/PRS.0b013e3182402f50

Epidemiologische Daten & Patienteninformationen

  1. Berechnet aus: Bundesamt für Statistik (BFS). Statistik der natürlichen Bevölkerungsbewegung (BEVNAT) – Lebendgeburten Schweiz, ca. 85 000/Jahr. Neuchâtel: BFS, 2023. Kombiniert mit europäischer Prävalenz orofazialer Spalten (ca. 1 : 700; EUROCAT Registry: eu-rd-platform.jrc.ec.europa.eu/eurocat) → ca. 100–120 Neugeborene mit LKG-Spalte jährlich in der Schweiz. Übereinstimmend: Kaiser G, Thüer U, Scheurer Ph. Lippen-Kiefer-Gaumenspalten – Informationsschrift für Eltern. 3. Aufl. Bern: Inselspital / Universität Bern, 2000.

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